Deutsche Radcross-Meisterschaft 2011
ENTEGA City-Cross-Cup in Lorsch |
 |
| Lorsch, das als "das Tor zur Bergstraße" bezeichnet wird, liegt wenige Kilometer westlich der Bergstraße. Hier fanden am 08. und 09. Januar die Deutschen Rad Cross Meisterschaften statt. Um sich einen Eindruck von der Strecke und den Strapazen der Zweiradartisten zu verschaffen, nahm Adventure-magazin.de Mitarbeiter Timo Rokitta am Jedermannrennen teil. |
 |
Kurz vor 10 Uhr. Der Regen der vergangenen Nacht hat aufgehört und fast schon milde 11 Grad herrschen am Start des Jedermannrennens. Ich habe mir vorgenommen auf der originalen DM Strecke einen Wettkampf zu bestreiten – doch mit Jedermann hat das nicht wirklich viel zu tun. Carboncrossräder in allerfeinster Ausstattung und mit Fahrern in bunten Trikots mit Sponsoraufdrucken erwecken nicht nur bei mir den Eindruck, dass die Jedermänner in Wirklichkeit Halbprofis ohne Lizenz sind.
|
 |
| Drei Mountainbikes, darunter ich als einziger mit einem Fully werden kurz vor dem Start in die Startaufstellung geleitet. Der Starter verkündet lauthals vor dem Start, dass wir nur drei Runden fahren müssen. Kann ja nicht so wild sein, denke ich und schon fällt der Startschuss. 28 Fahrer sprinten wie von einer Tarantel gestochen los. Ich halte mich vornehm zurück, um in dem Getümmel nicht in einen Massensturz verwickelt zu werden. |
 |
| Nach 300 Metern fliegt das Feld förmlich auf eine 90 Grad Kurve zu. Hoffentlich geht das gut, bei f dem glatten Pflaster. Plötzlich gibt es einen lauten Knall. Einem Fahrer vor mir ist der Vorderradreifen geplatzt und nun schlittert er auf dem Hosenboden quer durchs Feld. Mir geleingt es gerade noch auszuweichen. Bei der Schule, deren Gelände wir durchqueren müssen, heißt es raus aus den Pedalen und die Treppenstufen hoch sprinten. Die Fahrt hinab geht dann über Spanholzplatten, die über die Treppenstufen gelegt wurden. Mein Rotwild springt wie ein wild gewordener Hirsch und versucht mich mit aller Gewalt abzuwerfen. |
 |
| Das war der lockere Teil der Strecke. Von der Straße, auf der auch gestartet wurde, biegt der Kurs links ab ins richtige Gelände. Wahre Schlammpfützen, in denen der Reifen komplett versinkt zehren an den Kräften. Ich fahre Schlangenlinien um einigermaßen auf der Strecke zu bleiben. Nach Überquerung eines asphaltierten Weges, fällt die Strecke einen steilen matschigen Hang hinunter. Ich halte mich ganz rechts, weil es dort am besten aussieht, fahre dabei aber beinahe einen Begrenzungspfosten um. Ein paar Meter weiter klicke ich dann aus und schiebe mein Rad im Laufschritt durch den Streckenabschnitt namens Karussel". |
 |
| Danach muss mein Rad wieder ein Steilstück hoch wuchten um anschließend fast senkrecht ins nächste Schlammfeld einzutauchen. Diese Wiese ist noch tiefer und das Fahren für mich unmöglich. Erst nach 50 Metern springe ich wieder in den Sattel und trete mit voller Kraft in die Pedale. Das Hinterrad dreht sich mit viel Schlupf und ich komme nur ganz langsam voran. |
 |
| Plötzlich tauchen zwei Hindernisse auf, über die das Rad getragen werden muss. Danach heißt es wieder steil einen kurzen, aber giftigen Hang hinauf rennen und wieder hinab ins Tal zur nächsten Schlammschlacht. Erst einige Meter vor der Einfahrt ins Fahrerlager, wo die Profis bei ihrem Rennen die verschmutzten Räder wechseln, wird der Tritt leichter aber bicht einfacher. Eine steile Rampe, die den Durchgang zur Wechselzone darstellt, muss mit ordentlich Schwung bezwungen werden. Einige Treppenstufen sind zum Schluss der Runde noch zu nehmen, bevor es auf Asphalt durchs Ziel geht. |
 |
| Bei der Vorstellung, jetzt noch zwei weitere Runden fahren zu müssen, wird mir ganz schön mulmig. Aber mitgefangen ... Mitte der zweiten Runde hat sich mein Rad so mit Schlamm zugesetzt, dass es bestimmt anstatt der 12,3 nun mindestens 15 Kilogramm wiegt. Schieben geht nun auch nicht meh so gut, weil der viele Schlamm die Räder blockiert. Ich fluche laut und rutsche mehr oder minder schnell über die Strecke. |
 |
| In der letzten Runde – die "Jedermänner" auf ihren Hightech-Crossrädern sind schon weit vor mir – bemerkte ich, dass ich dass ich doch nicht die "Rote Laterne" habe. Die letzten Kräfte werden mobilisiert. Ich schaffe sogar die Steilrampe und rolle nach rund 40 Minuten durchs Ziel. Und wer es ganz genau wissen will, ich brauchte exakt 40 Minuten und 17,3 Sekunden für die drei Runden. |
 |
| Die Ergebnisse |
 |
Fotos: M. Rodriguez
Text: Timo Rokitta |
| |
| |