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HPN Week 2010
Zu Besuch bei Dracula
Nach zweijähriger Pause riefen Halbfeld und Pepperl wieder zur traditionellen HPN Enduroweek auf. Eine Veranstaltung, die unter Insidern schon Kultstatus genießt. Bei der 6. Ausgabe für Fahrer der bayrischen Kultenduros ging es zum ersten Mal nach Rumänien, in das Land von Graf Dracula. Ausgearbeitet und organisiert wurde die Tour von Norbert Schilcher, dem ehemaligen Teammanagers des BMW Werksteam der Rallye Dakar 2001. Als Fahrer war er selbst zweimal unter den Top Ten bei dieser Rallye. Unterstützt wurde er von den Tourguides Thomas Schilcher und Beat Juen, die in der Vergangenheit sehr erfolgreich bei Rallyes wie der Berlin-Breslau oder diversen Crosscountrywettbewerben am Start waren.
Ausgangspunkt für die Exkursionen durch die Westkarpaten war das Hotel „La Contele Dracula“ bei Suncuius in den Muntii Padurea Craiului, circa 60 km hinter Oradea in der rumänischen Provinz Bihor. Dort konnten auch die Autos und Transporter während der Woche abgestellt werden.
Rumänien, ein Land welches nur 1000km von Deutschland entfernt ist, entführte dennoch in eine andere Welt. Obwohl Rumänien Mitglied der EU ist, sind die Eindrücke, welche man in den Dörfern und in den Karpatenwäldern bekommt, ziemlich ungewohnt. Vor langer Zeit muss es in Deutschland wohl ähnlich gewesen sein. Hühner und Gänse laufen auf den unbefestigten Dorfstraßen, Kühe und Pferde sind meist die Zugmittel für die Landwirtschaft. Die Wege und Straßen abseits der großen Hauptverbindungsstrecken sind oft in einem sehr schlechten Zustand. Doch das kam den HPN Fahrern natürlich gerade recht.
Was die HPN Fahrer dann erwartete, kann sich locker mit den anspruchsvollsten Stecken der Alpen messen. So versprach der Veranstalter dann auch zerfurchte Wege, wenig befahrene Pfade und viel Wald, alles was die Grundlage für herrliches Endurowandern darstellt. Aber auch Schlammpassagen und sonstige kleine Herausforderungen waren im Angebot. Durch den großen Anteil an Hügelgelände und Wald in Zusammenhang mit der sehr geringen Fahrzeugdichte ergaben sich so perfekte Bedingungen für die Fahrer der schweren bayrischen Enduros.
Wie bei zünftigen Geländefahrten üblich, wurde zu Beginn das obligatorische Briefing durchgeführt. Nach der Ausgabe und dem Zusammenkleben der Roadbooks ging es dann los. Anfangs noch gemäßigt über eine schlechte Betonpiste erreichten die Teilnehmer ein ehemaliges Erzabbaugebiet. Umfahren wurde das Areal über eine Piste mit riesigen Wasserlöchern. Die anschließende steile Abfahrt über eine steinige Rüttelpiste verlangte damit den Fahrern schon einiges ab. Im weiteren Verlauf lagen verstreute Häuser an Wegesrand, die zwischendurch immer wieder den Blick in die einsamen Täler eröffneten.
Nördlich der E60, die das Tal wie an einer Schnur gezogen durchschneidet fanden die HPN Fahrer noch anspruchsvolleren Wege mit sehr kernigem Charakter. Genannt werden diese Berge Muntele Ses. Nachdem die HPN Fahrer einem Bachlauf gefolgt waren, legten die Rallye-Cracks einige Übungseinheiten ein. Unter anderem wurden an einer unglaublich steilen Rampe Auffahrten geübt, bei der so mancher Bodenproben von der rumänischen Erde nehmen musste.
Bedingt durch einen kleinen Navigationsfehler folgte der Tross einem frisch geschobenem Weg, der ursprünglich für den Abtransport von Baumstämmen diente. Der Untergrund, der mit Schmierseife zu vergleichen war zwang so manchen Fahrer zu einer unfreiwilligen aber sehr schweißtreibenden Schiebeaktion. Als der Weg dann auch noch unvermittelt an einem Schweinestall endete, verlangte das Improvisationsvermögen das Durchfahren einer stacheligen Hecke, das zu Blessuren in so manchem Gesicht führte. Die Rückfahrt dieser denkwürdigen Etappe wartete dann wieder mit langen Schlammpassagen und Wasserdurchfahrten auf, durch die sich die schweren Boxer ihren Weg frästen.
Am nächsten Tag eroberten die HPN Fahrer in zwei großen Schleifen den Norden des Kreises Bihor. Kleine Dörfer bis zu einem Stausee und eine anschließende Highspeedpiste an einem Kanal entlang endete an einen zugewachsenen Grasweg. Nach der erfolgreichen Überquerung des Flusses Crisul Repede schlugen sie sich in die fast endlosen Buchenwälder nördlich von Oradea. Schöne Täler und dunkle Wälder wechselten sich in der Folge immer wieder mit tiefspurigen Wiesenpfaden und matschigen Waldpassagen ab.
Das Entdecken eines der letzten Länder, in dem Endurofahrer in ihrem Element sein können, kam bei der HPN Kundschaft sehr gut an. Nach einer Woche herrlichem Endurowandern stand für die Teilnehmer fest, dass Halbfeld und Pepperl wieder voll den Geschmack ihrer Kundschaft getroffen hatten. Stellt sich nur die Frage, ob HPN dies bei der nächsten Enduro Week noch steigern kann. Die Antwort von ihnen war dann auch typisch bayrisch – „Schaun mer mal.“