Haben Sie eine außergewöhnliche Reise gemacht? Wollen Sie Ihre Erfahrungen mit anderen teilen? Schreiben Sie uns.

 
 
   
spacer
spacer
Trans Germany
Craft Bike
Trans Germany 2011
01. bis 04. Juni 2011
Über 300 Kilometer Strecke in vier Etappen, gewürzt mit mehr als 8.000 Höhenmetern, das ist die Trans Germany. Von Freunden heißgemacht, wollte ich unbedingt mal dabei sein. Zur Vorbereitung strampelte ich im Frühjahr rund 7.000 Kilometer ab, teilweise in mehreren Trainingslagern und bei schlechtem Wetter zu Hause auf der Rolle.
Am 1.6.2011 war es dann soweit, leider goss es in Strömen aber Petrus ist wohl auch MTB-Fan und stoppte den Dauerregen kurz vor dem Start in Sonthofen. Pünktlich um 10 Uhr viel der Startschuss und gemeinsam mit 1.200 anderen Mountainbikern jagte ich los.
Crew
1. Etappe: Sonthofen Wonnemar - Pfronten / 68,24 km, 2557 hm
Über mehrere Rampen führte die Strecke hoch zur Strausbergalpe auf 1227m. Dass dort die Lieferanten guter Allgäuer Milch- und Käseprodukte frei herumlaufen interessierte mich in diesem Augenblick wenig, denn es wartete der knackige Trailanstieg zum Imberger Horn auf mich. Der war nicht ohne. Zwei Teilnehmer zerlegte es so heftig, dass sie der Rettungshubschrauber holen musste. Später erfuhr ich, dass sich einer von ihnen den Brustwirbel gebrochen hatte. Der Abfahrt nach Bad Hindelang folgt der zweite von vier Bergen, der Höllatsberg. Dann die Abfahrt zur idyllisch gelegenen Dreiangelhütte, die ihren Platz auf einer schönen Waldlichtung gefunden hat. Danach wurde es zäh. Lang und steil war der Anstieg hinauf zur Schnitzleralpe. Von hier aus jagte ich talwärts nach Jungholz, der Tiroler Perle im Allgäu, die nur von Deutschland aus erreichbar ist. Von hier könnte ich das Ziel schnell erreichen, wenn ich durch das Vilstal fahren würde, aber der Veranstalter hatte andere Pläne und baute noch ein kleines Schmankerl ein. Der Edelsberg mit weiteren 350 Höhenmetern bergauf gab der ersten Etappe nicht nur die Würze, sondern auch zu Recht den Titel Königsetappe. Der Boden auf der gesamten Etappe war sehr weich und zog mir nach den 68 Kilometern sprichwörtlich die Kraft aus den Beinen. Ich war richtig froh, als ich das Tagesziel Pfronten erreichte und mit meiner Zeit von unter fünf Stunden sehr zufrieden.
2. Etappe: Pfronten - Lermoos / 78,17 km, 2298 hm
Pfronten und Norbvert Schilcher

Am nächsten Morgen fuhren wir buchstäblich vom Himmel in die Hölle. Der erste Anstieg, teilweise mit über 20 % Steigung, führte hoch zu einem Berg Namens "Himmelsreich". Die folgende Trailabfahrt war dann die Härteste der ganzen Tour. Viele Biker zerlegten hier ihre Räder oder stürzten auf den glatten Steinen.

Nach knapp einem Viertel der Strecke erreichten wir Lohmoos, den höchsten Punkt der heutigen Etappe. Durch das Tannheimer Tal über den Gaichtpass bis ins Tiroler Lechtal gab es dann zwar nur einen mittleren Anstieg, der aber nicht zu unterschätzen war. Auf der Abfahrt vom Adlerhorst stürzten zwei Mountainbikerinnen so schwer, dass der Rettungshubschrauber kommen musste.

Reifenpanne

Von Weissenbach über den Rotlech-Stausee ging es kurz vor dem Finale steil hinauf nach Bergwang, was noch einmal richtig an die Substanz ging. Für die Strapazen entschädigte dann aber ein Schmankerl. Kurz vor dem Ziel ging es über die Freeride-Strecke hinunter nach Lermoos ins zweite Etappenziel. Hier erwartete die Teilnehmer eine super Zielverpflegung, was leider, das muss auch gesagt werden, sonst nicht der Fall war.

3. Etappe: Lermoos - Garmisch Partenkirchen / 83,40 km, 1881 hm
Bergpanorama

Der heutige Tag sollte fahrerisch und landschaftlich das Highlight der Trans Germany werden. Von Lermoos führte uns die Strecke zunächst auf einer gut fahrbaren Schotterpiste hoch zur Tuftlalm auf über 1.500 Meter, von dort nach Ehrwald und hoch zur Ehrwalder Alm. Die anschließende Abfahrt war schlichtweg ein Traum und für mich das Highlight der gesamten Tour. Auf über 30 Kilometern ging es leicht bergab bis Leutasch – eine Schussfahrt mit Geschwindigkeiten von über 40 km/h inmitten einer grandiosen Landschaft. Da vergisst man alle Strapazen.



Leider passierte wieder ein schwerer Unfall. Eine Teilnehmerin prallte auf das Auto des entgegenkommenden Försters und lag leblos neben der Piste. Rettungshubschrauber und zahlreiche Helfer waren bereits vor Ort und leisteten erste Hilfe.
Um das Ziel zu erreihen war noch einmal kräftige Beinarbeit angesagt, denn es lag aus genehmigungsrechtlichen Gründen auf der Partnachalm. Ich war so ausgepowert, dass ich auf den steilsten Stücken mein Rad lieber schob.

4. Etappe: Garmisch Partenkirchen - Achensee Maurach / 105,53 km, 1998 hm
Abgekämpft

Am letzte Morgen wurde neutralisiert in Garmisch gestartet. Dabei gab es wieder einige Stürze, denn nicht jeder Hobbybiker ist es gewohnt, in einem Feld mit über 1.000 Teilnehmern zu fahren und weiß sich entsprechend zu verhalten.
Bis Eschenlohe führte die Route leicht bergab entlang eines Baches, dann ging es zum ersten Mal bergauf Richtung "beim Taferl". Bei einer Bachdurchfahrt holte ich mir dann noch nasse Füße, weil ein Holländer mitten im Wasser umkippte und die Strecke blockierte. Nach einer weiteren kleinen Rampe begann bei Kilometer 30 auf der Höhe von Wallgau die neutralisierte Passage der Schlussetappe.

Aufgrund von nicht erteilten Genehmigungen konnte der Streckenabschnitt bis zur Kaiserwacht nicht abgesperrt und abgesichert werden. Eine Zeitnahme war daher erst wieder ab der Grenze in Österreich möglich. Auf einer Strecke von zehn Kilometern musste ich mich noch mal 600 Höhenmeter hochschrauben. Es folgte die Abfahrt nach Achenkirch und dann 15 Kilometer entlang des Achensees. Der Gegenwind war so heftig, dass Windschattenfahren angesagt war. Auf dem Fernradweg "Via Bavaria Tyrolensis" erreichte ich dann glücklich und abgekämpft das wohlverdiente Ziel in Maurach. 329 Kilometer und 8.366 Höhenmetern steckten in meinen Knochen.

Team Rewe
Mein Fazit: Die Transgermany ist eine echte Herausforderung für jeden ambitionierten Mountainbiker, der das Erlebnis eines Etappenrennens einmal erfahren will. Weniger gefallen hat mir die zum Teil rücksichtslose Fahrweise mancher Teilnehmer im hinteren Feld. Auch die heftigen Stürze und zahlreichen Einsätze der Rettungshubschrauber stimmten mich nachdenklich und ließen mich an der Sinnhaftigkeit der Veranstaltung zweifeln. Die Verpflegung im Ziel – manche Teilnehmer sitzen jeden Tag über sechs Stunden im Sattel – war schlichtweg ein Witz. Bei den Übernachtungen in Deutschland hatte ich immer das Gefühl nur geduldet zu sein. Die Freundlichkeit mancher Gastgeber in den Hotels ließ sehr zu wünschen übrig.
Text: Timo Rokitta, Fotos: Mandy Rodriguez
 



spacer Schreib einen
Kommentar dazu
auf unserer
Facebook Fanpage!
 
   
   
   
   
  YouTube Videos:
   
   
   
   
  Alle Details zur Streckenführung und
Ergebnisse gibt es hier.
   
   
   

 

 

   
  © Adventure-magazin.de
E-mail an uns   |  Mit uns werben  |  Impressum  |