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Zwei Freunde, ein Traum
TRANS HIMALAYA
Mit dem Motorrad in 80 Tagen nach Nepal und zurück

ANREISE TEIL 1
Die Reisevorbereitungen dauern bis zur letzten Minute und als die Maschinen kurz vor Abreise voll bepackt waren, tauchen leise Zweifel auf. Sind die Fuhren überhaupt fahrbar? Für lange Überlegungen bleibt keine Zeit. Wir müssen los. Der DB Autozug wartet auf uns und Fahrplan ist nun mal Fahrplan. Auf der Fahrt zum Autoreisezugterminal nach Düsseldorf stellen wir zum Glück fest: Ja, die Bikes sind fahrbar. Die erste Etappe unserer langen Reise von Düsseldorf nach Villach legen wir bequem – wie es sich für Biker gehört – im Zug zurück.

Richtig los geht es für uns am nächsten Morgen erst in Villach. 8.15 Uhr Start, Kilometerstand meiner HPN 49.841. Die Fahrt führt uns über den Loiblpass nach Slowenien. Dort tanken wir unsere 43 l Tanks zum ersten Mal randvoll. Direttissima fahren wir an Ljublijana vorbei Richtung Zagreb. Die Grenze Slowenien/Kroatien erreichen wir um 11.30 Uhr. Bei einer Temperatur von 30 Grad reihen wir uns in eine lange Warteschlange ein. Uns wird ganz schön warm in den Motorradklamotten, um so mehr genießen wir anschließend den kühlenden Fahrtwind. Vorbei an Zagreb geht die Fahrt nach Slavonski Brod zur serbischen Grenze, an der wir gegen 15 Uhr stehen. Wie schon gehabt: eine lange Autoschlange vor uns, nur diesmal zeigte das Thermometer an Nuris Motorrad 40 Grad Celsius. Da kommt Freude auf.
Wir haben Glück. Freundliche Autofahrer, meist Türken, haben Mitleid mit uns und winken uns nach vorne, so dass wir das ganze Grenzprozedere inklusive Geldwechsel in 30 Minuten hinter uns haben. Pünktlich zur Rushhour durchqueren wir Belgrad und fahren weiter in Richtung Sofia. Eine halbe Stunde später, dürfen wir unser Zelt in der Nähe eines Motels für ganze 5 Euro die Nacht aufbauen. Die ersten 700 Kilometer (Durchschnittsgeschwindigkeit 98 km/h) liegen hinter uns. Jetzt hat die Trans Himalaya Tour für uns richtig begonnen und wir sind heiß auf das, was noch kommen wird. Gegen 19.30 Uhr sitzen wir vor dem Kocher und bereiten unser erstes Adventurefood Menü zu: Huhn mit Curry.

Schon in den frühen Morgenstunden sind wir wieder auf Achse und erreichen die Grenze von Serbien nach Bulgarien noch vor Mittag. Was folgt ist eine 360 Kilometer lange Fahrt durch Bulgarien, immer der türkischen Karawane nach, Richtung Nuris Heimat. Auch an der bulgarisch-türkischen Grenze ließen uns Nuris Landsleute, überwiegend Türken mit deutschen Autokennzeichen, die Grenzschlange passieren. Die Vorfreude auf Nuris Heimatland hätten wir uns jetzt sowieso durch nichts und niemanden mehr nehmen lassen. Unsere Stimmung wird immer besser, daran ändert auch die Grenzabfertigung bei hohen Temperaturen und zigmaligem Vorzeigen der Papiere nichts. Gegen 19 Uhr Ortszeit (Türkei +1h) sind alle Formalitäten erledigt, wir haben freie Fahrt und schaffen es noch bis Edirne, wo wir uns eine kleine Pension leisten. Eintrag ist Logbuch: Tagesetappe 687 Kilometer, Durchschnittsgeschwindigkeit 87,4 km/h, reine Fahrzeit: 7 Stunden und 50 Minuten.
Landschaftlicher Gesamteindruck bisher: Nach Überquerung der Alpen in Slowenien verlief die Fahrt landschaftlich gesehen sehr eintönig, weites, flaches Land prägte das Bild. Erst kurz vor der türkischen Grenze – ab ungefähr 50 Kilometer davor – wurde die Landschaft bergiger und somit abwechslungsreicher. Natürlich hat das im Wesentlichen mit unserer Streckenwahl zu tun, denn wir wollen auf schnellstem Wege unser Reiseziel Himalaja erreichen.
TÜRKEI
In aller Hergottsfrühe verlassen wir Edirne mit dem Ziel türkische Schwarzmeerküste. Mein Freund Nuri hatte mit einheimischen Motorradfreunden eine Verabredung. Eine gut ausgebaute Autobahn dirigiert uns nach Istanbul.

9.30 Uhr erreichen wir die Stadtgrenze von Istanbul. Direkt hinter der Mautstelle bleibt Nuri stehen und klagt über Probleme mit der hydraulischen Kupplungsbetätigung. Einfach weiterfahren geht nicht. Also Anruf beim türkischen ADAC. Eineinhalb Stunden warten war angesagt, dann schleppt uns der ADAC zu BMW Istanbul. Ein imposantes BMW Auto- und Motorradhaus mit eigenem Sicherheitsdienst und allem Schnickschnack erwartet uns. Eine erste Inaugenscheinnahme durch den dortigen Werkstattleiter nährt die Hoffnung auf baldige Weiterfahrt. Aber erst mal war bis 13.30 Uhr Mittagspause. Danach folgt eine genauere Prüfung der Kupplungsbetätgiung und unsere Hoffnung auf eine schnelle Reparatur löst sich in Luft auf. Die für uns bittere Pille: Drei Tage Zwangspause für unsere Trans Himalaya Tour. Ein Motorradfreund von Nuri hilft bei der Suche nach einer Unterkunft und spendiert obendrein ein fürstliches Essen.
Der erste Zwangsruhetag gehört der Erholung und einer Besichtigungstour von Istanbul mit Bosporusbrücke und Blaue Moschee. Auch der nächste Tag beginnt ruhig und erholsam. Wir besprechen die weitere Reiseplanung und schicken die ersten Berichte via Internet an unsere Lieben. Gegen 14 Uhr erfahren wir von BMW, dass bis zu diesem Zeitpunkt noch niemand an Nuris Motorrad gearbeitet hat, das benötigte Ersatzteil ist noch nicht da. Auch hat man das Motorrad noch nicht wie besprochen im unteren Bereich der hydraulischen Kupplungsbetätigung überprüft. Aber was bedeutet das schon. Dann gegen 17 Uhr der Anruf, auf den wir gewartet haben. Nuris Motorrad kann abgeholt werden. Noch am gleichen Abend machen wir unsere Motorräder reisefertig und stellen sie auf einen bewachten Parkplatz in der Nähe unserer Pension.

5. August, 5 Uhr Ortszeit – wir und unsere Motorräder (Kilometerstand 51.473 auf meiner HPN) sind wieder startbereit. 5.15 Uhr, genau mit dem Frühgebet des Muezzin, fahren wir los und freuen uns, endlich wieder unterwegs zu sein. 15 Minuten später überqueren wir den Bosporus. Welch erhabenes Gefühl, von Europa nach Asien zu fahren. Aufgrund des geringen Verkehrs kommen wir gut voran und als Nuri gegen 6.30 Uhr einen Rastplatz ansteuert, freue ich mich schon auf den Frühstückstee. Aber dann höre ich ihn lautstark fluchen: "Wieder die gleiche Sch....." Ich dachte, ich höre nicht richtig und ignoriere es.
Beim Absetzen des Helmes wiederholt Nuri seine Worte und ergänzt: "Wieder die Kupplung." Wortlos gehen wir Tee trinken. Jeder macht sich so seine Gedanken. Auch die zweite Tasse trinken wir wortlos. Dann: "Was machen wir jetzt?" Wir wissen, dass das benötigte Ersatzteil in Istanbul nicht vorrätig ist und es bis zu zwei Wochen dauern kann bis es eintrifft. Sogar über einen Tourabbruch dachten wir nach, schoben aber diese Gedanken schnell beiseite. Es kann doch nicht sein, dass ein Stück Gummi oder Plastik die Trans Himalaya Tour stoppt. Ergo, ADAC Istanbul angerufen. Abschlepper kommt und ich tuckle die 120 Kilometer zurück nach Istanbul immer brav hinter dem Abschleppwagen her. Punkt 11 Uhr sind wir wieder bei BMW Istanbul. Die Herren scheinen ein schlechtes Gewissen zu haben und kümmern sich sofort um uns. Wie schon gehabt, kann vor der Mittagspause die Ursache nicht festgestellt werden, so dass wir uns wieder in Geduld üben müssen.
Gegen 14 Uhr wird uns mitgeteilt, dass der untere Dichtring der hydraulischen Kupplung undicht ist, genau das Ersatzteil, welches gleichzeitig laut BMW mit dem Geber gewechselt werden muss und nicht vorrätig ist. Da man aber unsere Situation kennt, werden diesmal alle Hebel in Bewegung gesetzt, und siehe da, man findet in der Werkstatt ein komplettes Ersatzteil von einer Unfallmaschine, deren Tacho gerade mal 2.000 Kilometer zeigt. So ist Nuris 1150er um 16.15 Uhr wieder fahrbereit, wird nochmal ausgiebig vom Meister getestet und eine Stunde später verlassen wir zum zweiten Mal Istanbul. Wieder überqueren wir den Bosporus und fahren noch an die 200 Kilometer Autobahn. Wir verlassen die Autobahn und nehmen an der Fernreisestraße 100 eine einfache Unterkunft. Einfaches Essen und gemütliches Zusammensitzen in einer türkischen Männerrunde lassen uns wieder optimistisch in die Zukunft blicken. Anschließend fallen wir todmüde ins Bett.

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker um 5.30 Uhr. Es geht weiter Richtung Ankara. Auf der Fernreisestraße 100 halten wir uns zunächst an die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h für Motorradfahrer. Da uns bei dieser Geschwindigkeit die LKWs für unseren Geschmack zu stark bedrängen, steigern wir unser Tempo auf 80 bis 90 km/h, passieren mit dieser Geschwindigkeit mobile Radarfallen, ohne Folgen. Aber dann lassen wir uns von einem LKW etwas zu sehr antreiben und schwupp die wupp landeten wir mit Tempo 100 in eine der zahlreichen Radarfallen. 177 TRY (Türkische Lire), umgerechnet rund 90 Euro waren der Preis für unser Vergehen. Die Spielregeln sind einfach andere. Wenn ein LKW naht, einfach rechts ran fahren, LKW vorbei lassen und sich hinter ihm wieder einreihen. Wir haben das nun auch verstanden und sind an diesem Tage nicht mehr schneller als 70 km/h gefahren. Abends gegen acht Uhr, nach 775 Kilomtern und 9.30 Stunden Fahrzeit, landeten wir vor einer Polizeistation, vor der wir unser Zelt aufschlagen durften. Besser konnte es nicht kommen. Die Motorräder wurden von einem Polizisten mit umgehängter MP bewacht und wir konnten in Ruhe schlafen und mussten uns keine Sorgen um unser Hab und Gut machen. Für diese exklusive Bewachung haben wir unseren Obulus ja schon entrichtet.

Wie gehabt, um 5.30 Uhr klingelt der Wecker. Nach Morgentoilette, Zelt abbauen, Motorräder beladen geht es weiter auf der "100" über Enziran Richtung Enzurum. Die Landschaft wird abwechslungsreicher, aber die Straßen ab Enziran befindet sich im Umbau. Viele Baustellen mit Straßensperrungen von bis zu 30 Minuten ziehen die Fahrt in die Länge. Ab Enzurum fahren wir durch schöne Berglandschaften, die Straßenverhältnisse sind so lala. Jetzt, wo die Landschaft so schön ist, stört uns auch die niedrige Reisegeschwindigkeit nicht mehr.
Als wir uns der osttürkischen Stadt Agri nähern verspricht ein Blick Richtung Himmel nichts Gutes. Dunkle Wolken und Blitze direkt vor uns. Wir erreichen gerade noch eine Tankstelle, als der Himmel seine Schleusen öffnet. Vom Tankwart bekommen wir Tee und das Angebot, bei siner zweiten Tankstelle, nur 15 Kilometer von hier, zu übernachten. Wir nahmen sein Angebot an und fahren, nachdem sich das Gewitter verzogen hatte, zu unserem Quartier. Die heiße Dusche dort tat uns richtig gut. Unser Pensum heute: 500 Kilometer, 7 Stunden Fahrzeit.

Am nächsten Tag fahren wir am Berg Ararat vorbei zur 120 Kilometer entfernten iranischen Grenze. An der Grenze läuft alles ganz geschmeidig. Wir werden sehr zuvorkommend behandelt und alle Formalitäten werden schnell erledigt, nur noch die Unterschrift vom obersten Chef fehlt und ohne die geht die Schranke nicht hoch. Der Chef legt aber Wert darauf höchst persönlich einen gerade eingefahrenen Bus zu kontrollieren und das machte er sehr gründlich. Wir mussten also warten. Für ihn hat es sich offensichtlich gelohnt, ein illeglaler Stoffballen wird konfisziert. Dafür mussten wir 40 Minuten warten. Aber wie lautet unser Leitspruch: "Et kütt wie et kütt." (Köllsche Grundgesetz, Artikel 2: Es kommt, wie es kommt)

Dann sind wir endlich durch, sind im Iran und stellen unsere Uhren auf Ortszeit (Iran +1.30h).
Weiter zu Teil 2.
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