Haben Sie eine außergewöhnliche Reise gemacht? Wollen Sie Ihre Erfahrungen mit anderen teilen? Schreiben Sie uns.

   
   
w
















bilder
Zwei Freunde, ein Traum
TRANS HIMALAYA
Mit dem Motorrad von Deutschland nach Pakistan – Indien - Nepal und zurück

TEIL 2


IRAN

An einem Freitag, wenn man so will, dem islamischen Sonntag (in der islamischen Welt ist Freitag ein Feiertag und der Sonntag ein ganz normaler Arbeitstag), gegen 10.50 Uhr erreichen wir Makku und gönnen uns erstmal ein Frühstücksbrot mit Honig und Tee. In der Stadt selbst herrscht Chaos. Die schweren Gewitter vom Vortag haben eine Schlammlawine ausgelöst. Nur mit Mühe und Not finden wir die NIOC, die National Iranian Oil Company, die wegen des Schlamms kaum zu finden war und kaufen die nötigen Benzinkarten. 168 Dollar wechseln ihren Besitzer und wir halten dafür Gutscheine für 300 Liter Sprit in Händen, was nicht bedeutet, dass wir beim Tanken gar nichts mehr bezahlen müssen. Rund 7 Cent pro Liter müssen zusätzlich abedrückt werden. Unser nächsten Ziel Tabriz ist 300 Kilomter weit weg.

die Straßen sind gut

Die Straßen sind sehr gut, wir kommen flott voran, so dass wir schon um vier Uhr nachmittags in Tabriz sind. Jetzt müssen wir nur noch unser Hotel finden, aber auch das ist kein Problem, ein Taxifahrer führt uns auf direktem Wege hin. Die Motorräder bekommrn einen Parkplat im Fernsehraum, nahe der Rezeption und wir gönnen uns eine heiße Dusche. Die haben wir uns verdient. Unser Pensum nach drei Tagen: 1700 Kilometer, 21,5 Stunden im Sattel und keine Panne, Kilometerstand 53609. Später treffen wir im Hotel einen etwa 50-jährigen Italiener, der mit seiner Vespa von Italien über den Kaukasus hierher gekommen ist.


Rush Hour

Am nächsten Morgen, klingelt der Wecker um sieben Uhr. Wir lassen es fürt unsere Verhältnisse ruhig angehen, holen die Motorräder aus der Eingangshalle und gönnen uns sogar ein ausgiebiges Frühstück. Erst Viertel vor neun drehen sich die Räder wieder. Kurz nach Tabriz fahren wir durch eine einzigartige, für mich biblische Landschaft. Denn genau so habe ich mir als Kind die damals im Religionsunterricht geschilderten Landschaften vorgestellt. Es war wie ein schöner Traum und der Traum dauerte fast 300 Kilomter bis nach Zanjan, einer riesigen Oase die sich nahtlos in diese unwirkliche Welt einfügt.




Danach wird es wieder recht eintönig. Wir erreichten Teheran Samstag gegen 16.30 Uhr. Waren es am Morgen noch 14° Celcius, so stieg die Temperatur inzwischen auf 40°C. Sprichwörtlich kämpfen wir uns eineinhalb Stunden durch Teheran und fallen an der ersten Tankstelle hinter Teheran erschöpft von den Motorrädern. Wir gönnen uns eine kurze Erholungspause, dann farhen wir weiter. Nuri bis zur nächsten Polizeistelle an der Autobahn, wo er sein Zelt aufschlägt und ich noch 50 Kilomter weiter bis Qom. Mit ist einfach nach Hotel heute Nacht. Das finde ich auch, inklusive Garagenplatz fürs Motorrad. Beim Abstellen rutsche ich auf dem feuchten Marmorboden aus und meine HPN fällt um. Ein normaler Umfaller, nichts Schlimmes, dachte ich und nach 770 Kilometer Fahrstrecke und 10 Fahrstunden total groggy ein.

Reparatur

Am Sonntagmorgen, ich stehe um sieben Uhr auf, weil ich ja gegen neu Uhr an der Umgehungsstraße wieder Nuri treffen will. Pech, mein Motorrad springt nicht an. Schwarzer Qualm lässt nichts Gutes vermuten. Motoröl läuft aus dem Luftfilterkasten. Meine Notruf-SMS erreicht Nuri leider erst am Nachmittag und da ist er schon 650 Kilometer weiter, zusammen mit unserem Werkzeug. Es hilft ja nichts, ran an die Fehlersuche. Tank ab, Luftfilterkasten gesäubert, Schwimmerkammern, Zündkerzen .... alles ohne passendes Werkzeug und mehr oder weniger umsonst, die Kiste will nicht anspringen. Lautstarke Fehlzündungen und riesige schwarze Qualmwolken lenken die Aufmerksamkeit auf mich und mein Motorrad. Zu allem Ärger auch das noch: Die bunten Gummischuhe eines Schuhverkäufers, die fein säuberlich aufgereiht in einem Regal hinter meinem Motorrad standen, waren nicht mehr bunt.

Willkommen

Ich rufe bei HPN in Deutschland an, dachte aber nicht daran, dass Sonntag in Deutschland kein Arbeitstag ist. Also habe ich rücksichtsloser Kerl Fredy Halbfeld aus dem Bett geworfen, er nimmt mir das aber nicht Übel, kümmert sich rührend um mich und baut mich wieder auf: „Wechsele die Zündkerzen und dann springt sie bestimmt wieder an", sagt er. Das mache ich uach, aber die Kiste will nicht. Ich wusste nicht mehr weiter. Das ganze Hotelpersonal bis hoch zum Manager versuchten zu helfen, so gut sie nur konnten. Organisierten einen Mechaniker in Qom und stellten Mohamed, einen Hotelangestellten mir zur Seite. Mohamed holte den Monteur ab, der nach kurzer Augenscheinnahme entschied: "Das Motorrad muss zu mir in die Garage."

Gegen 18 Uhr organisierte Mohamed für mich ein Taxi, das brachte mich zur Garage. Der Mechaniker hatte schon richtig losgelegt. Öl aus dem Auspuff entfernt, ein neues Gewinde für die rechte Zündkerze eingesetzt und – es gab weiterhin Fehlzündungen. Daraufhin hat er den linken Zylinderkopf entfernt und stellte fest: das Einlassventil sitzt fest. Wenn ich den Mechaniker richtig verstanden habe, war die Ventilführung nicht in Ordnung und er will sich morgen früh darum kümmern. Um 22 Uhr saß ich dann wieder in meinem Hotelzimmer und simmste Nuri einen Zwischenbericht. Ich war sehr zuversichtlich, dass es weitergehen würde. Schließlich: "Et kütt wie et kütt."

Ein Foto zum Abschied

Heute, Dienstag, fahre ich um 10.30 Uhr mit Mohamed zur Garage. Die Zylinder war schon wieder komplett montiert. Alles sah gut aus. Dann Anlasser gedrückt und Knall, das war's. Für mich ein Urknall. Ich kam ins Grübeln, eine mechanische Ursache konnte das nicht mehr sein. Gemeinsam suchen wir jetzt gezielt nach einer elektronischen Störung. Limadeckel ab, nix. Relais getauscht, nix. Zündspule ausgetauscht, nix und so weiter, nix, nix, nix.

Hamed, der Mechaniker, schickte ein erstes Stoßgebet gen Himmel. Und ich hab wieder bei HPN angerufen. Wir waren mit unserem Latein am Ende. Jetzt hilft nur noch beten. Das taten wir. Hamed, Mohamed und ich schickten unsere Stoßgebete zu Allah. Und siehe da, ich hatte die Erleuchtung und ging in Gedanken meine Ankunft beim Hotel noch einmal durch: In der Hotelgarage war der Marmorboden feucht, ich war, als ich den Seitenständer ausklappen wollte, weggerutscht, mein Motorrad fiel mit laufendem Motor auf die linke Seite. Beim Umfallen heulte der Motor auf (Ventilsschaden), und ich drückte so schnell ich konnte den Notschalter. Das tat ich etwas zu heftig, über die Sperre hinaus. Sollte das Problem etwa ...? Ergo Armaturen abmontiert und tatsächlich, der Sprengring am Notausschalter steckte nicht richtig in der Führung. Sprengring wieder in die richtige Position geb racht und siehe da, der Motor springt sofort und ohne Fehlzündung an. Meine Freude war riesig. Die Trans HimalayaTour kann weitergehen.

War das alles Zufall? Oder hat eine unsichtbare Hand alles auf die richtige Bahn gebracht?, Was wäre gewesen, wenn wir gleich die Ursache gefunden hätten? Das festsitzenden Einlassventil wäre nicht repariert worden. Über den Folgeschaden will ich lieber nicht nachdenken.

Hier möchte ich einfach mal Danke sagen an alle hilfsbereiten Menschen in Qom. Danke, Danke, Danke. Am nächsten Morgen "großer Bahnhof" bei meiner Abreise. Alle Mitarbeiter des Hotels waren da, um sich von mir zu verabschieden.

On the road again

Hinter Qom ändert die Landschaft schlagartig, Wüste ist angesagt. Endlos zieht sich das graue Asphaltband durch diese öde wirkende Geröllwüste, nur ab und zu ein paar Hügel. Trotzdem ist mir nicht langweilig, die Strecke ist kaum befahren und ich komme gut voran. Nur mein Wasserverbrauch ist höher als sonst.

Nachmittags, gegen 14:30 Uhr, nach 500 Kilometer Fahrerei, erreiche ich Yzad, tankte und schicke Nuri eine SMS. Prompt kommt die Antwort: "Wir holen dich ab, bleib wo du bist." 45 Minuten später taucht Nuri mit Iman, seinem iranischen Freund, an der Tankstelle auf. Ich, als Nuris Freund, wurde gleich herzlich im Kreis von Imans Familie aufgenommen. Wir bekamen warmes Essen und leisteten uns ein kleines Nickerchen danach. Abends gingen wir mit Iman in die Stadt und schauten im Fernsehen die Olympischen Spiele. Deutschland gewann an diesem Tag vier Goldmedaillen. Diese Nacht verbrachten wir auf dem Fußboden im Wohnzimmer des Hauses.

Pause

Es ist der 13. August, wir fahren wir sehr früh los, weil wir die Wüstenstadt Bam – einem ehemals wichtigen Knotenpunkt der Seidenstraße noch vor 15 Uhr erreichen wollten. Das hatte einen driftigen Grund: ab 15 Uhr bläst zu dieser Jahreszeit für einige Stunden immer ein sehr starker Wind. 550 heiße Kilometer liegen vor uns. Es wird verdammt heiß und nur der Fahrtwind liefert uns ein wenig Kühlung. Gegen Mittag sind wir in Maran. Das Thermometer zeigt lockere 41 Grad, obwohl wir in Höhen von 1.600 - 2.100 m unterwegs sind.

Straße

Um 14.30 Uhr erreichen wir BAM, tankten und suchen das Mr. Akbhar Tourist Guest House. Unsere Suche gleicht eher einer Stadtrundfahrt. BAM das 2003 von einem Erdbeben der Stärke 7,2 heimgesucht wurde befindet sich im Wiederaufbau. Die Stadt sieht entsprechend aus. Auch in Akbars Guesthouse befand sich alles im Wiederaufbau.

im Ort

14. August, Kilometerstand 55.498. Heute wollen wir es bis nach Pakistan schaffen. Im frühen Morgengrauen verlassen wir Bam. Die Landschaft verändert sich leicht, die Geröllwüste wechselt zur groben Sandwüste. Ab und an einzelne Dünen und Warnschilder „Querende Kamele“. Gesehen haben wir kein einziges.

Straße

Bis Pakistan sind es noch 400 Kilometer, aber ab jetzt dürfen wir nicht mehr alleine fahren. Eine Begleiteskorte ist Pflicht und wir müssen warten, bis diese auftaucht. Die Temperaturen steigen stetig an. Endlich, es ist bereits 9.30 Uhr erscheint unser vermeintliches Begleitfahrzeug. Aber vorerst wird es nichts mit einer Eskorte. Man sagt uns, dass wir unsere Fahrt alleine fortsetzen können. Das vor uns liegende Gebiet wird von Drogen- und Schmugglerbanden beherrscht, so ganz wohl ist uns dabei nicht, dieses Gebiet alleine queren zu müssen. Nach ein paar Kilomtern kommt uns ein Polizeifahrzeug entgegen, dreht und fährt eine Weile hinter uns her. Jetzt wird auch die Landschaft abwechslungsreicher. Wir fahren durch ein Wüstengebirge mit vielen Kurven. 40 Kilomter vor Zahedan werden wir plötzlich an einer Polizeikontrolle gestoppt und ab hier werden wir eskortiert. Für unsere erste Eskorte wurde ein Zivilfahrzeug angehalten, ein Soldat in diesen Wagen gesetzt und los ging's. Wir die nächsten 10 Kilomter hinterher bis ein Parkplatz am Straßenrand angesteuert wurde. Dann nach einer halbstündigen Pause kam ein Polizeifahrzeug und übernahm unseren Begleitschutz. Noch ein kurze Zigarettenpause und weiter ging es.

Es ging quer durch die südiranische Stadt Zahedan bis zu einer sehr großen, mit hohem Personalaufwand betriebenen Polizeisperre. Hier übernahm eine andere Polizeistreife die Eskorte und brachte uns bis Mir Javeh, dem leetzten Ort vor der Grenze nach Pakistan. An der militärischen Vorgrenzkontrolle bekamen jeder von uns von einem Offizier eine gekühlte Flasche Wasser. Tat das gut bei 45 Grad Hitze. Danach wollte dieser uns sofort weiter zur Grenze bringen lassen. Das war nicht in unsrem Sinne. Mit Händen und Füßen machten wir ihm klar, dass wir vorher noch unbedingt tanken müssen, denn wir wussten, dass wir auf pakistanischer Seite ertmal kein Benzin bekommen würden. Also rein in den Ort und direkt zu Tankstelle. Hier herrachte das blanke Chaos, gut dass wir unseren Grenzsoldaten dabei hatten. Er sorgte dafür, dass wir ohne lange warten zu müssen unsere Benzinfässer voll bekamen. Dann ging es zügig zur 10 Kilometer entfernten Grenze, natürlich mit Eskorte, die wir exakt 13.30 Uhr erreichen.

Grenzstation

Die Grenzabfertigung dauerte 2,5 Stunden, wir hatten 45 Grad im Schatten und Feiertag in Pakistan. Nach dem Grenzübertritt stellten wir die Uhren 1,5 Std. vor und machten uns im pakistanischen Grenzort Taftan auf die Suche nach einer Bleibe. Die fanden wir auch und der Wirt empfahl uns nichts auf den Motorrädern zu lassen. Bei drückenden 40 Grad schleppten wir den ganzen Krempel in unser Zimmer, aus allen Poren floss der Schweiß. Auch später änderte sich daran nichts, es blieb heiß, wir schwitzen und schwitzen und fanden keinen Schlaf.


Route durch den Iran
Tankstelle
Straße
Landschaft
Rush Hour
 
Weiter zu Teil 3.                     < zurück zu Teil 1